Einen Roman Schreiben –

Diese schritte braucht es immer

Figuren zu Charakteren Machen

Wie werden aus oberflächigen Figuren eigenständige, nachvollziehbare Charaktere? 

Egal ob Hauptfigur (HF) oder Nebenfiguren (HF), damit sie zu Charakteren werden, die mehr als nur eine Aufgabe haben, brauchen sie folgende Kriterien:

Want: Was wollen die Figuren in ihrem Leben erreichen? Was wollen sie in der Geschichte erreichen? Was haben sie für ein konkretes Ziel und wie verfolgen sie das?

Need: Was brauchen die Figuren eigentlich, damit sie in ihrem Leben, in der Geschichte glücklich werden? Welches große unerfüllte Bedürfnis haben sie, dass sie noch immer schmerzt, einen Mangel hinterlassen hat?

Eigenschaften: Sie brauchen Eigenschaften, die sich sowohl positiv auf sie und ihre Mitmenschen auswirken als auch negativ. Und das geht mit allen. Jede Eigenschaft hat zwei Seiten, wenn sie ins Extreme geht.

Strategien: Welche Strategien haben die Figuren, um sich ihre Bedürfnisse zu erfüllen? Eine schüchterne Figur wird anders handeln als eine selbstbewusste. Zudem gibt es eher konfliktreichere Strategien und konfliktärmere. Nutzen die Figuren eher konfliktärmere muss der Plot die Handlung mehr tragen und vorantreiben. Wobei aktive Figuren, die etwas wollen, immer besser für die Geschichte sind als passive, die der Plot bewegen muss. 

Wenn diese Kriterien erfüllt sind, werden aus bloßen Figuren, die eine Aufgabe für die Geschichte haben, echte, mehrdimensionale, facettenreiche Charaktere, die aufgrund ihrer Herkunft, ihren Wünschen, Zielen und Bedürfnissen handeln, und zwar so, dass es für die Lesenden nachvollziehbar ist.
 

Sie müssen dabei keineswegs immer sympathisch sein oder Identifikationspotenzial für jede Leserin bieten. Aber sie müssen in character bleiben und in ihren Motiven und ihrem Warum nachvollziehbar sein. 

Lesende wollen weniger herausfinden, ob die HF etwas schaffen oder nicht, sondern miterleben, wie die HF (und auch NF) mit unterschiedlichen Situationen umgehen und wie sie es schaffen bzw. wie sie scheitern.

Akt-, Kapitel-, SzenenStruktur

Es gibt fünf Kriterien, die sich sowohl über den gesamten Roman erstrecken als auch in jedem Akt, jedem Kapitel und in jeder Szene erscheinen sollten:

Auslösendes Ereignis: Etwas passiert oder die Charaktere tun etwas, dass die Handlung der Szene, des Kapitels, des Akts, des Romans auslöst.

Steigende Komplikationen: Die Figuren können nicht einfach ans Ziel gelangen, sondern es stellen sich ihnen Hindernisse in den Weg oder sie stehen sich selbst im Weg.

Krise: Dann muss die Figur vor eine Entscheidung gestellt werden. Natürlich vor eine schwierige, die Wahl zwischen zwei positiven Sachen oder zwischen zwei negativen Sachen oder zwischen zwei unvereinbaren Sachen. So werden die Figuren für die Lesenden charakterisiert. 

Höhepunkt: Hier wird nun die Entscheidung der Figuren dargestellt. Daraus können die Lesenden sich eine Meinung über die Figuren bilden, ohne dass es ihnen erklärt werden muss, denn sie sehen es ja.

Auflösung: Jetzt muss noch gezeigt werden, was die Entscheidung für die Figur bedeutet. War es ein Scheitern, hat sie etwas dabei gelernt, wie geht sie jetzt damit um?

 
 

Damit es Spannend Bleibt

Für Spannung braucht es nicht unbedingt ständige Explosionen, Schlachten oder Schießereien. Das Aufwerfen von Fragen, auf die die Lesenden Antworten suchen, reicht. Warum darf niemand wissen, dass diese Figur sich auch auf dem Gelände befindet? Warum lügt diese Figur? Wieso ist der Charakter verkleidet? etc. Wenn Lesende etwas zum Rätseln haben, ihre Neugier geweckt wird, und sie sich fragen, wie und warum etwas so ist, wie es ist, hält der Text die Aufmerksamkeit. 

Sobald Fragen beantwortet sind, sollten neue Fragen auftauchen, die die Lesenden zum Weiterlesen bringen. Nur noch ein Kapitel …